Das Handtuch, schrieb der britische Science-Fiction Autor Douglas Adams, sei der „nützlichste Gegenstand“, den ein interstellarer Anhalter bei sich tragen kann. Wer sein Handtuch dabeihat, ist vorbereitet, auf Reisen durchs Universum – ebenso wie auf zukünftige Herausforderungen der Textilindustrie. Letzteres hat Gebr. Otto mit dem Projekt „Eco Yarn“ bewiesen: Gemeinsam mit dem Recycling Atelier der Technischen Hochschule Augsburg sowie den Projektpartnern Schwob AG und der Weberei Weseta (beide Schweiz) ist es gelungen, in einem einjährigen Forschungs- und Entwicklungsprojekt aus ausgedienter Mietwäsche neue Handtücher herzustellen.
Aus alten Handtüchern wird neues Garn
Im Projekt mit dem Namen „Eco Yarn“ wurden weiße, ausgemusterte Bettlaken und Bettwäsche mechanisch recycelt, ihre Baumwollfasern wiederaufbereitet und anschließend zu neuem Garn versponnen. 30 Prozent des entwickelten Garns bestehen aus sogenannten Post-Consumer-Recyclingfasern, die restlichen 70 Prozent aus neuer Baumwolle. Aus diesem Garn hat Weseta erneut Frottierhandtücher gewebt.
Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Die Unterstützung ermöglichte es, die Recyclingprozesse wissenschaftlich fundiert zu untersuchen und unter realen industriellen Bedingungen zu erproben.
„Dass wir Recyclingfasern aus stark beanspruchter Mietwäsche erfolgreich in unsere industrielle Garnproduktion integrieren konnten, ist ein wichtiges Ergebnis“, sagt Andreas Merkel, Geschäftsführer von Gebr. Otto. „Das Projekt zeigt, welches Potenzial in durchdachten Recyclingkonzepten steckt – auch für unseren Standort in Dietenheim.“
Forschung und Industrie gehen Hand in Hand
Eine zentrale Rolle spielte das Recycling Atelier der Technischen Hochschule Augsburg, das den Recyclingprozess wissenschaftlich begleitete. „Alttextilien sind ein enormes Rohstofflager, quasi ein riesiges Baumwollfeld direkt vor der Haustür“, sagt Georg Stegschuster, Leiter des Recycling Ateliers. „Bei den aktuellen Sammelmengen und der Zusammensetzung rangiert Deutschland unter den Top 5 der baumwollproduzierenden Länder. Unser Ziel war es, dieses Potenzial anhand eines klar definierten Materialstroms praktisch nutzbar zu machen.“
Als Ausgangsmaterial dienten weiße Bettwäsche und Bettlaken aus dem Mietwäschesegment, die sich durch ihre Sortenreinheit besonders gut für Recycling eignen. Die größte Herausforderung lag in der Faserlänge der wiedergewonnenen Baumwolle – ein Faktor, der maßgeblich über die Weiterverarbeitbarkeit entscheidet.
Vom Labormaßstab zu Industriebedingungen
Die im Recycling Atelier im kleinen Maßstab gewonnenen Erkenntnisse wurden in der Ringspinnerei von Gebr. Otto unter industriellen Bedingungen überprüft. Dabei bestätigten sich mehrere Herausforderungen, die die Augsburger Wissenschaftler bereits identifiziert hatten.
Andreas Merkel fasst zusammen: „Bei der Verarbeitung der recycelten Fasern in der Spinnerei haben wir eine erhöhte Staubentwicklung, was bedeutet, dass wir mehr putzen müssen. Außerdem mussten wir die Geschwindigkeit drosseln.“
In der Weberei bei Weseta in der Schweiz wurde „Eco Yarn“ zu Frottierware weiterverarbeitet. Der Webprozess verlief stabil – und bei normalen Geschwindigkeiten.
Gleichwohl traten auch in diesem Verarbeitungsschritt typische Effekte des Recyclingmaterials zutage. Zlatko Donev, Produktionsleiter bei Weseta, sagt: „Das Ergebnis ist vergleichbar mit recyceltem Papier, das ebenfalls nicht denselben Weißgrad erreicht wie Neuware. Am Ende ist es die Entscheidung der Konsumenten, ob und in welchem Maße sie das zu tolerieren bereit sind.“
Messbarer Umweltvorteil
Begleitet wurde das Projekt von einem unabhängigen Umweltinstitut. Die Analyse zeigt: Trotz eines höheren technischen Aufwands spart das Recyclinggarn im Vergleich zu reiner Neuware CO₂, Wasser und landwirtschaftliche Fläche ein. Der ökologische Vorteil liegt bei rund 21 Prozent.
Fazit
Georg Stegschuster, Leiter des Recycling Ateliers, zieht Bilanz: „Wir sind stolz, dass es uns innerhalb nur eines Jahres gelungen ist, wiederverwertbare Fasern aus Alttextilien zu gewinnen, diese in sinnvoller Mischung mit Neufasern zu einem belastbaren Baumwollgarn zu verspinnen und daraus erneut Frottierware zu weben, die ihren Namen verdient.“
Auch für Gebr. Otto ist „Eco Yarn“ deutlich mehr als ein einzelnes Forschungsprojekt. Es zeigt, welches Potenzial in der Verbindung aus industrieller Erfahrung, wissenschaftlicher Begleitung und verlässlichen Partnern entlang der textilen Wertschöpfungskette liegt.
„Wenn es gelingt, selbst stark beanspruchte Textilien aus der Mietwäsche wieder in einen funktionierenden Kreislauf zu überführen, eröffnet dies neue Perspektiven für viele weitere Anwendungen“, sagt Geschäftsführer Andreas Merkel. Denkbar seien künftig unter anderem feinere Garne, andere Heimtextilien oder auch neue Materialkonzepte mit definierten Recyclinganteilen.
Gleichzeitig könne das Projekt Impulse für den Textilmaschinen liefern, um Maschinen und Prozesse künftig noch besser auf die Verarbeitung von Recyclingfasern auszulegen.
Von links nach rechts: Andreas Merkel, Geschäftsführer bei Gebr. Otto, Werner Jochum, Verkaufsleiter bei Gebr. Otto, Thorsten Pitschke vom Bifa Umweltinstitut, Cornelia Magno von der Schwob AG (auf dem Bildschirm), Dr. Georg Stegschuster, Leiter des Recycling-Atelier, Hans Spörry von Weseta, Reinhold Regittnig von Gebr. Otto sowie Zlatko Donev, Betriebsleiter bei Weseta.