50 Jahre lang arbeitete Josef Schumacher bei Gebr. Otto. Als Betriebsschlosser begann er in einer Zeit, in der vieles noch improvisiert wurde, Arbeitssicherheit eine andere Rolle spielte und Maschinen per Hand umgebaut wurden. Später wechselte er in die Arbeitsvorbereitung der Färberei und begleitete dort den technischen Wandel – von handgeschriebenen Listen bis zu den ersten Computern im Betrieb.
Herr Schuhmacher, Sie waren 50 Jahre bei Gebr. Otto. Wie begann Ihre Zeit im Unternehmen?
Josef Schumacher: Ich habe 1975 angefangen – zunächst als Betriebsschlosser. Mein Opa hatte schon bei Otto gearbeitet. Als ich einen Ausbildungsplatz suchte, schlug meine Mutter vor, mal bei Herrn Carl-Heinz Otto vorbeizuschauen. Schließlich hatte mein Großvater hier auch schon gearbeitet hat. Wir sind gemeinsam hingegangen, haben uns mit Herrn Otto unterhalten – und ich wurde eingestellt.
Was machte ein Betriebsschlosser damals?
Schumacher: Heute würde man den Betriebsschlosser wohl als Allrounder bezeichnen – als Handwerker für alles. Ich habe noch Schmieden und Schweißen gelernt. Wir waren überall im Einsatz: bei Umbauten, Reparaturen oder neuen Anlagen.
Ich erinnere mich noch gut an den Bau der Halle. Dort musste ich über Kopf ein Vordach schweißen – stundenlang, im Frühjahr, bei Kälte. Für eine gute Schweißnaht musste alles exakt sein. Und stabil, denn das Dach sollte später ja auch Schnee tragen.
Die Arbeitssicherheit war damals vermutlich eine andere als heute?
Schumacher: Allerdings. Mit einem Kollegen habe ich einmal eine Mercerisiermaschine abgebaut. Dabei lief Lauge über mich drüber. Mein Kollege sagte nur: „Ausziehen, mit Essigsäurewasser abwaschen und dann duschen.“ Zum Glück ist nichts passiert.
Sie haben später in die Arbeitsvorbereitung gewechselt. Wie kam es dazu?
Schumacher: 1983 musste meine Frau aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit in der Arbeitsvorbereitung der Färberei aufgeben. Dann wurde ich gefragt, ob ich da einspringen könnte. Eigentlich war jemand anderes vorgesehen, aber daraus wurde nichts.
Ich blieb dann dort und kümmerte mich um Disposition, Lagerverwaltung bis hin zur Auftragsabwicklung. Außerdem war ich Gefahrstoffbeauftragter und rund zehn Jahre im Betriebsrat.
Sie haben den technischen Wandel in der Färberei direkt miterlebt.
Schumacher: Ja, Anfang der achtziger Jahre begann man in der Färberei mit Commodore-PCs zu arbeiten. Wir waren eine der ersten Abteilungen im Unternehmen, die Computer eingesetzt haben.
Allerdings wurde die Färberei ständig umgebaut. Dabei entstand so viel Staub, dass irgendwann der komplette PC voller Staub war und den Geist aufgab.
Vorher lief alles per Hand: Listen führen, Partien verwalten, planen, was als Nächstes gespult wird. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen.
Offenbar wurde ständig modernisiert.
Schumacher: Ja, laufend. Früher wurde in der Farbküche vieles noch unten im Eimer angerührt. Später kamen Rohrleitungen und Edelstahltechnik dazu. Auch die Färbeapparate wurden immer wieder modernisiert und versetzt.
Sie haben auch Hoch- und Tiefphasen des Unternehmens erlebt.
Schumacher: Als ich angefangen habe, gab es Kurzarbeit. Später kamen sehr starke Jahre dazu. Vor Corona hatten wir eine enorme Nachfrage.
Während der Pandemie zeigte sich, wie weitsichtig die Unternehmensleitung gearbeitet hatte. Herr Otto hatte früh Rohgarn eingelagert. Deshalb konnten wir weiterhin liefern, während andere Betriebe Probleme hatten.
Sie haben mehrere Generationen der Inhaber erlebt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Schumacher: Das Engagement für die Firma hat mich immer beeindruckt – bei Carl-Alexander Otto genauso wie bei Carl-Heinz Otto oder Andreas Merkel.
Carl-Heinz Otto war sehr nah an der Belegschaft. Er war frühmorgens und nachmittags in Balzheim und Dietenheim unterwegs und wusste in der Färberei immer genau Bescheid.
Würden Sie Ihren Kindern empfehlen, bei Otto zu arbeiten?
Schumacher: Ja, auf jeden Fall. Meine Kinder waren auch schon als Ferienjobber hier.