Qualität ist bei Gebr. Otto ein lebendiges System, kein starres Regelwerk. Sie entsteht, wenn Fachwissen, Erfahrung und klare Prozesse zusammenkommen und auf ein tiefes Verständnis für die Anforderungen der Kunden treffen. Darin sieht Dr. Tatiana Zimmermann, Managementbeauftragte bei Gebr. Otto, eine große Stärke des Unternehmens.
Als promovierte Chemikerin bringt sie eine Perspektive ein, die weniger in klassischen Textilkategorien denkt, dafür umso stärker in Zusammenhängen, Systemen und Wirkmechanismen.
Seit wann sind Sie bei Gebr. Otto?
Ich arbeite seit eineinhalb Jahren bei Gebr. Otto im Qualitätsmanagement. Besonders wertvoll war für mich, dass ich meinen Vorgänger noch mehrere Monate begleiten konnte. Er hat das Managementsystem bei Gebr. Otto seit Mitte der 1990er-Jahre aufgebaut und über Jahrzehnte konsequent weiterentwickelt.
Wenn man heute sieht, nach wie vielen Normen Gebr. Otto zertifiziert ist, erkennt man, mit welcher Präzision und Weitsicht hier gearbeitet wurde. Für mich ist das ein sehr stabiles Fundament, auf dem sich Qualität nicht nur sichern, sondern auch weiterdenken lässt.
Was sind Ihre Aufgaben?
Meine Aufgabe im Qualitätsmanagement ist es, sicherzustellen, dass die verschiedenen Normen, Kundenanforderungen und gesetzlichen Vorgaben bei Gebr. Otto eingehalten werden. Wichtig ist außerdem, dass sie sinnvoll ineinandergreifen. Dabei geht es weniger um starre Regeln als um das Verständnis von Zusammenhängen.
Ich analysiere Prozesse, identifiziere mögliche Schwachstellen und erarbeite gemeinsam mit den jeweiligen Fachbereichen Lösungen, die im Unternehmensalltag funktionieren. Ein Management-System ist für mich kein statisches Konstrukt, sondern ein flexibles Instrument, das sich mit dem Unternehmen weiterentwickeln muss – denn Kundenanforderungen, gesetzliche Vorgaben und Marktbedingungen verändern sich ja auch konstant.
Ein Teil meiner Arbeit ist die Vorbereitung und Begleitung von Audits, sei es im Rahmen von Zertifizierungen, Rezertifizierungen oder Kundenanforderungen. Unterschiedliche Institutionen und Kunden verfolgen dabei oft ähnliche Ziele, etwa im Bereich Nachhaltigkeit, stellen aber sehr spezifische Fragen an uns als Lieferant. Diese Anforderungen zu verstehen und in stabile Prozesse zu überführen, ist ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit.
Können Sie kurz etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang sagen?
Nach meinem Studium der Chemie und einer Promotion in diesem Fach habe ich mehrere Jahre als Qualitätsmanagementbeauftragte in der Kunststoffindustrie gearbeitet. In diesem Umfeld spielen regulatorische Anforderungen und systematische Qualitätssicherung eine zentrale Rolle.
Qualitätsmanagement gilt unabhängig von der Branche: Auch wenn sich Materialien und Produkte unterscheiden, bleiben die zugrunde liegenden Prinzipien von Prozessstabilität, Nachvollziehbarkeit und kontinuierlicher Verbesserung vergleichbar. Diese vielfältigen Erfahrungen habe ich zu Gebr. Otto mitgebracht.
Wie unterscheidet sich die Arbeit bei Gebr. Otto von bisherigen Arbeitgebern?
Wie gerade erläutert, sind Managementsysteme grundsätzlich identisch aufgebaut, unabhängig davon, ob es sich um ein Kunststoffhersteller, Textil- oder Dienstleistungsunternehmen handelt. Der Grund ist einfach: die Implementierung von Managementsystemen erfolgt nach einheitlichen, globalen Standards. Die wichtigste Norm ist die ISO 9001. Qualität beeinflusst jede Branche, jeden Kunden und jedes Geschäftsziel. Weitere häufig angewendete Standards sind die ISO 14001 für Umweltmanagement, die ISO 50001 fürs Energiemanagement sowie die ISO 45001, das ist Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Unterschiede ergeben sich in der konkreten Umsetzung. Jede Branche bringt eigene Anforderungen mit sich: In der Kunststoff- oder Automobilindustrie stehen andere Schwerpunkte im Vordergrund als in der Textilindustrie.
Neu für mich waren daher vor allem die textilspezifischen Normen und Prüfverfahren, etwa produktspezifische Zertifizierungen wie die OEKO-TEX® Standards, nach denen Gebr. Otto seine Produkte zertifiziert.
Hinzu kommen regionale Unterschiede, abhängig davon, in welchen Märkten Produkte vertrieben werden. Innerhalb der EU sind die regulatorischen Anforderungen weitgehend vergleichbar, außerhalb Europas wird es komplexer. Dieses Thema betrifft jedoch nicht die Textilindustrie allein, sondern stellt branchenübergreifend eine zentrale Herausforderung dar.
Was zeichnet Gebr. Otto Ihrer Meinung nach aus?
Was mir an Gebr. Otto besonders auffällt, ist der Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit. Er ist ganzheitlich angelegt. Es geht um den bewussten Umgang mit Ressourcen und um die Entwicklung neuer Produkte, etwa mit wiederaufbereiteten Fasern. Zu diesen Themen gibt es regelmäßig Schulungen, sodass alle Kolleginnen und Kollegen über Entwicklungen und Fortschritte informiert sind.
Ein weiterer Punkt ist die lokale Produktion. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, die Garne in Übersee einzukaufen und in unseren Werken nur zu färben. Gebr. Otto entscheidet sich aber bewusst für die Produktion vor Ort. Damit werden Arbeitsplätze gesichert, in Ausbildung investiert und fachliches Know-how erhalten. Aus meiner Sicht ist das ein wichtiger Beitrag dazu, dass textile Berufe in Deutschland und Europa weiterbestehen.
Was ist Ihr Highlight bei Gebr. Otto?
Mich faszinieren tatsächlich die Farben. Wenn ich durch die Färberei gehe und die vielen bunten Garne sehe, bekomme ich einfach gute Laune. Heute in der Färberei ist mir zum Beispiel ein zartes Rosa ins Auge gefallen.
Gleichzeitig ist mir bewusst, wie viel Wissen und Erfahrung in diesen Farben steckt. Wir arbeiten mit ausgewählten Farbstoffen und müssen dabei sowohl globale Standards und Richtlinien, beispielsweise REACH, als auch konkrete Kundenvorgaben erfüllen. Gerade beim Färben zeigt sich, wie anspruchsvoll es ist, nachhaltig und gleichzeitig wirtschaftlich zu arbeiten. Dafür braucht es hohe fachliche Kompetenz und präzise Prozesse. Mehrere Färbeversuche, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, wären weder ökologisch noch wirtschaftlich tragfähig. Umso wichtiger ist es, dass es von Anfang an passt.